letztes Update: 23.03.04, 22:00 Uhr

Vom Wonnebee zum Hopee

Ich habe also den Entschluss gefasst, ein Schuljahr in Japan zu verbringen und meine Eltern haben mir ihre volle Unterstützung zugesagt. So bestellten wir unzählige Prospekte und schauten uns zusammen die Angebote an. Dabei stellten wir fest, dass es sowohl die Möglichkeit gibt im Sommer als auch im Frühling (Winterabreise genannt) zu fahren. Da das japanische Schuljahr im April beginnt, möchte ich nicht mitten im Sommer in die Klasse kommen und dann in der Hälfte des Auslandsjahres die Klasse eventuell wechseln müssen. Letztendlich blieben unserer Meinung nach dann auch nur zwei Organisationen übrig, die eine gute und professionelle Betreuung versprachen:   

AFS Interkulturelle Begegnungen (AFS) u. YOUTH FOR UNDERSTANDING (YFU).

Ich entschied mich zunächst für YFU, füllte den langen Bewerbungsbogen aus und bat meine Japanischlehrerin um das vertrauliche Schulgutachten. Nach einer Woche kamen die Unterlagen jedoch zurück, mit dem Vermerk, dass es noch zu früh für Bewerbung zur Winterabreise 2004/05 sei und ich die Unterlagen im Juni/Juli 03 erneut einreichen solle. Telefonisch erhielt ich außerdem die Auskunft, dass für Japan erfahrungsgemäß immer mehr Bewerbungen vorliegen als Plätze zur Verfügung gestellt werden können und ich es parallel auch bei anderen Organisationen versuchen solle. Der Bewerbungsschluss von YFU war also später als der bei AFS im Mai 03 und so bewarb ich mich lieber erst dort.

03.03.03

Also füllte ich den einseitigen Bewerbungsbogen von AFS aus und schickte ihn ab. Zuvor waren 30 Euro Bearbeitungsgebühr zu bezahlen und eine Kopie des Überweisungsformulares beizulegen. In dem Fragebogen wurden kurze Angaben zur Person nebst einer zweiseitigen Selbstbeschreibung auf Deutsch und ein vertrauliches Lehrergutachten verlangt. Für die Bewerbung war die Angabe des Wunschlandes noch nicht erforderlich, weil die Festlegung durch AFS erst nach der Auswahl erfolgt.

15.05.03

Bewerbungsschluss AFS

22.05.03

Heute kam schon die Einladung zum Auswahlseminar in knapp einer Woche nach Klietz (in der Nähe von Stendal). Damit bin ich jetzt ein Wonnebee und richtig aufgeregt, was mich dort erwartet.

29.-31.05.03

Um 14 Uhr war Anreise in Klietz. Wir waren ca. 30 Jugendliche und ungefähr 10 davon möchten gern nach Japan. Insgesamt gibt es für die Winterabreise bei AFS 5 Auswahltreffen in Deutschland, zu denen die Bewerber je nach ihrem Wohnort eingeladen wurden. Ich war beim Komitee Stendal, bei dem alle "Ostbewerber" ausgewählt wurden. Wir versammelten uns mehrmals am Tag, um in kleineren, immer wieder neu gemischten Gruppen, Spiele durchzuführen. Diese wurden von bis zu zwei Betreuern, die  alle ehemalige Austauschschüler waren beobachtet, um festzustellen, ob wir geeignet sind, ins Ausland zu gehen. Es gab Einzelinterviews über unsere Vorstellungen zum Thema Auslandsschuljahr. Außerdem fand ein Grillabend und eine Talentshow, bei der fast jeder etwas Außergewöhnliches zu bieten hatte, statt. Es wurde Gitarre und Klavier gespielt, Mangas gezeichnet, Sketche aufgeführt, improvisiert und, und, und ... Der Phantasie waren fast keine Grenzen gesetzt. 

Trotz der enormen Aufregung  und des Konkurrenzdrucks  war es eine sehr entspannte, offene Atmosphäre und gab so gut wie keine Streitereien.  Meine Mitbewerber  wirkten größtenteils sehr aufgeschlossen und interessiert.

Die Vorauswahl schien also sehr gut funktioniert zu haben. Jetzt hoffe ich auf die Annahme!!!

03.06.03

Heute kamen die ausführlichen Bewerbungsunterlagen. Damit wurde ich vom Auswahlkomitee für die Teilnahme am AFS-Programm vorgeschlagen, also für "auslandstauglich" befunden und darf mit AFS nach ??? fahren. Juchhu, ich bin ein Hopee! Außerdem enthielt der Brief einen Länderpräferenzbogen, in dem ich fünf Wahlländer und deren Priorität angeben sollte. Dieser muss innerhalb einer Woche, also bis zum 10.06., wieder abgeschickt werden.

Nun heißt es viele Bögen Papier auszufüllen:

es werden Angaben zur Person mit Portrait-Foto, jeweils eine vertrauliche Persönlichkeitsbeschreibung eines gleichaltrigen Freundes und erwachsenen Bekannten über meine Stärken und Schwächen, ein Lehrergutachten, ein zweiseitiger Brief mit einer Selbstbeschreibung an meine Gasteltern auf Englisch nebst einer oder mehrerer Fotoseiten mit Bildern von meiner Familie und meinem Zuhause, ein Gesundheitszertifikat vom Hausarzt und die Einschätzungen meiner Eltern verlangt. Dazu kommt  die unterschriebene Teilnahmevereinbarung und ggf. ein Antrag auf ein Teilstipendium.

Für den Brief an die potentielle Gastfamilie wurden von AFS freundlicherweise Fragen vorgegeben, die ehrlich und ausführlich beantwortet werden sollen. Und für alle Nicht-AFSler, die sich vor leeren Blättern quälen, werde ich die Fragen einfach mal aufschreiben. Vielleicht hilft es ja ein wenig?

  • Wie würden deine Freunde oder Familie deine Persönlichkeit/deine Charaktereigenschaften beschreiben?
  • Beschreibe dein Verhältnis zu den anderen Mitgliedern Deiner Familie und zu Freundinnen und Freunden. (Worin unterscheidest du dich z.B. von deinen Geschwistern und Freunden? In welchen Situationen bittest du deine Eltern um Rat? Beschreibe deine Rolle in der Familie!)
  • Beschreibe deine Rolle außerhalb der Familie (in der Schule, in Jugendgruppen, Vereinen etc.). Was ist Dir besonders wichtig im Leben?
  • Warum würde eine Gastfamilie dich gerne bei sich aufnehmen? Was unterscheidet dich von den anderen und was könntest du zur Bereicherung deine Gastfamilie und deiner Gastgemeinde beitragen?
  • Gibt es etwas, was du in deinem Leben als schwierig empfindest?
  • Beschreibe eine schwierige Entscheidung, die du treffen musstest oder eine Situation, in der Du ein Hindernis überwinden musstest und beschreibe, wie Du mit dieser Herausforderung umgegangen bist.
  • Welche Bereiche würden dich für deine Zukunft interessieren (z.B. Beruf, Interessen)?

23.06.03

Die 4-fach kopierten Bewerbungsunterlagen müssen heute bei AFS in Hamburg sein.

26.07.03

Nach langem Bangen und Hoffen kam nun endlich die Zusage, dass ich für den Aufenthalt in Japan vorgeschlagen bin. Ich fliege also 95%ig in mein Traumland. Die anderen 5% könnten eintreten, wenn ich z.B. wegen gesundheitlicher Einschränkungen (Allergien, Asthma) oder andersartigen Essgewohnheiten (Vegetarier, Veganer) nach Einschätzung der AFS-Mitarbeiter vor Ort nicht untergebracht werden könnte. Meine Bewerbungsunterlagen werden nun nach Japan geschickt. Ende Oktober soll ich mein Reisedatum erfahren.

Tja, und dann gab es auch noch die Impf-Information: vorgeschrieben ist für Japan keine Impfung, aber Polio-Tetanus-Diphterie sollte vorhanden sein und Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis - A und B sind empfehlenswert. Da gibt es also demnächst noch den ein oder anderen Stich ;-)

11.09.03

Heute kam die Einladung für das Grundvorbereitungstreffen in Petzow bei Werder. Am 2. Oktober werde ich also mit einem Foto von mir und einem typisch deutschen Gegenstand dort anreisen und mal sehen, wen ich da so wieder treffe ...

12.09.03

In der Zeit vom 20. bis 25. März 2004 geht ein Flugzeug in Richtung Japan und darin werde ich dann sitzen!!! AFS hat heute den Abflugtermin für diesen Zeitraum angegeben.

02.10. bis 05.10.03

Das Inselparadies in Petzow pünktlich gefunden und Überraschung: bis auf zwei Bewerber waren erst einmal alle Klietz - Wonnebee´s nach der Auswahl für "auslandstauglich" befunden und zum Hopee geschlagen worden und bis auf drei Teilnehmer haben auch alle "Japaner" ihren Erstwunsch erfüllt bekommen. Wer hätte das gedacht ?

In den nächsten drei Tagen jagte ein TOP (Tagesordungspunkt) den anderen - Gespräche und Rollenspiele, die hauptsächlich Unterordnungs- und Anpassungsfähigkeit testen sowie auf schwierige Situationen und Entscheidungen im Ausland vorbereiten sollen. Es wurden viele Dinge angesprochen, über die man sich so vorher noch nie Gedanken gemacht hat. In den Pausen sollten wir zusätzlich noch einen Brief an uns selbst schreiben, den wir nach unserem Auslandsjahr zurückerhalten, um dann zu sehen, wie wir uns verändert haben. Wenn wir zu müde waren, versuchten uns die Betreuer mit Energizern aufzumuntern, was jedoch nach mehreren Stunden Gespräch und wenig Schlaf nur noch teilweise klappte.

An einem Tag waren wir in Potsdam und hatten die Aufgabe bekommen, einen Apfel und ein rohes Ei gegen alle möglichen Sachen einzutauschen. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Die ergatterten Gegenstände reichten von einem 3D-Buch, über Regenschirme und fast geschenkten Gläsern aus Restaurants.

Alles in allem war es sehr anstrengend, aber auch total lustig, da die Betreuer und die Stimmung in den kleinen Gesprächsrunden offen und interessant waren.

Mehr möchte ich jedoch nicht verraten, um die gewollten Überraschungen mancher TOPs  für zukünftige AFSler nicht vorwegzunehmen.

09.10.03

Der nächste Brief von AFS mit den konkreten Abflugdaten lag im Kasten. Es geht am 24. März 04 mit BA von Frankfurt/Main über London nach Tokio (Ankunft dort am 25.März). Und wirklich: die Gepäckbegrenzung liegt bei 20kg plus 8kg für das Handgepäck. Die Gepäckmenge wird nicht von der Fluggesellschaft vorgegeben, sondern von AFS limitiert. Die Begründung liegt in den Schüler/Jugendtarifen für die Flugtickets und in den Begrenzungen bei Anschlussflügen oder Busfahrten. Jedenfalls haben meine Eltern auch gleich den Zubringerflug von Berlin nach Frankfurt gebucht.

In den nächsten Tagen müsste eigentlich ein Familiengespräch mit einem ehrenamtlichen AFSler bei uns zu Hause stattfinden. Aber bisher hat sich noch niemand gemeldet. Komisch, denn fast alle anderen Hopees haben in Petzow schon davon berichtet. Es heißt also: weiter warten.

24.10.03

In den Unterlagen, die meine Eltern heute erreichten, fanden sich die Leistungsbeschreibung zur AFS Krankenversicherung und das sogenannte Elternhandbuch. Ein 23seitiger Leitfaden mit Informationen und Tipps zum Austauschjahr.

26.10.03

Tuberkolose-Test ist für Japan also auch angesagt. Und dabei hatte ich gehofft, die Impftortur fast geschafft zu haben. AFS schreibt, dass man für den Schulbesuch in Japan einen aktuellen Tuberkolose-Test oder eine Röntgenaufnahme der Lunge benötigt, beides nicht älter als 2 Jahre.

07.11.03

Heute fand nun endlich das langersehnte Familieninterview statt. Wir bekamen Besuch von zwei ehrenamtlichen Ehemaligen vom Verein Berliner Austauschschüler. Mareike war mit AFS in den USA und Claudia mit YFU zu Gast in Japan. Bei Ceylon-Tee und Keksen fand dann ein ganz lockeres und freundliches Gespräch statt. Alle Aufregung vorher war also umsonst. Wir konnten Fragen zu AFS oder zu Japan stellen und wurden befragt nach gemeinsamen Familienaktivitäten und Mahlzeiten, auch nach meinen Aufgaben im Haushalt. Ich glaube, es ging vor allem darum, meine Lebenssituation in der Familie besser persönlich und nicht per Fragebogen einzuschätzen, um möglichst passende Gasteltern für mich zu finden.

26.11.03

Wieder ein neues Formular: APPLICATION FOR CERTIFICATE OF ELIGIBILTY (COE).          

Es ist auszufüllen und bis zum 15.12.03 an die AFS-Entsendeabteilung in Hamburg gemeinsam mit drei identischen Passbildern im Format 3 x 4 cm und einer Kopie meines Reisepasses zurückzuschicken.

Das COE muss in Japan von der dortigen Einwanderungsbehörde genehmigt und über AFS  an mich weitergeleitet werden. Damit kann ich dann voraussichtlich im Februar 04 bei der japanischen Botschaft mein Visum beantragen.

Ansonsten enthielt der Brief noch

  • Informationen über ASF (Ziele, Grundwerte, Geschichtliches)
  • ein paar Hinweise zur Reisevorbereitung (Reisepass, Visum, Impfpass, Medikamente, Zeugniskopien für die Gastschule, Kleidung, Gastgeschenke und Erwartungshaltungen)
  • Liste mit Anschriften und Telefonnummern von Japan-Returnees
  • Anschriften/Telefonnummern der 20 Japan-Hopees für 04/05 (4x ist Berlin vertreten!!!)
  • Adressen der zuständigen japanischen Konsulate und der Botschaft
  • Infos für die Eltern über Taschengeldhöhe (ca.10.000-15.000 Yen), Geldtransfermöglichkeiten und Zusatzkosten (Klassenfahrt – 60.000 bis 160.000 Yen). Die in der Regel erforderliche Schuluniform wird übrigens von der betreffenden Schule bzw. vom zuständigen AFS-Komitee gestellt.

06.12.03

Nikolaustag: im geputzten Schuh steckte u.a. eine Apocalyptica-CD und im Briefkasten ein großer Umschlag meiner Austauschorganisation.

AFS Japan hat eine Unfall- und Haftpflichtversicherung für die Austauschschüler abgeschlossen und bittet jetzt die Eltern um ihre Einverständniserklärung (Letter of Consignment).

Dazu eine Broschüre in Japanisch und Englisch mit "Tips for personal Safety in Japan" (in der Gastfamilie, außerhalb des Hauses, in der Schule, in der neuen Umgebung, Umgang mit Drogen, Alkohol, Kriminalität, sexuelle Belästigung, sonstige Notlagen, Naturkatastrophen und Terrorattacken).

Ein Heftchen mit Informationen über Japan, das Leben in der Gastfamilie und in der Schule, AFS Japan und das Orientierungscamp, AFS Aktivitäten etc.

Und eine Kassette nebst Lehrbuch zum Japanisch-Lernen. Naja, wenn man schon zwei Jahre Japanisch lernt, dann war das eher nichts bzw. eine nette Geste ...

 

 

07.01.04

 

Endlich ... Die Einladung zur Ländervorbereitung für die 11 "Thailänder" und 20 "Japaner" flatterte ins Haus. Wir Asien-Hopees treffen uns vom 6. bis zum 8. Februar in Waltershausen bei Gotha. Und Asien-Returnees werden auch zum Löcher-in-den-Bauch-fragen dabei sein.

Ich werde gleich mal den Anmeldeschnipsel ausfüllen ...

 

 

29.01.04

 

Die Gastfamiliengarantie ist angekommen. AFS Japan wird mich also irgendwie vermitteln können... Aber das Warten nervt und die email der anderen ATS mit ihren Jubelrufen " Ich hab sie!!!" oder " Meine Gastschule hat sich gemeldet!!!" machen mich irgenwie nervös...

 

 

 

30.01.04

 

Es lag ein dicker Umschlag von AFS im Briefkasten!!! Ich war total gespannt und öffnete ihn voller Vorfreude:

"Bitte, bitte, lass es endlich meine Gastfamilie sein!!!".

Das hatte ich nun wirklich so schnell nach dem gestrigen Brief nicht erwartet. Nein, meine Gastfamilie hat sich nicht per email gemeldet, sondern AFS schickt gleich die gesamten Papiere. Ich hab nun die heißersehnte Gastfamilie im Großraum Tokyo (und die übrigens schon seit dem 4.Dezember - an diesem Tag hat meine hostmum schon die Formulare ausgefüllt...). Auch über meine zukünftige Schule habe ich Informationen bekommen.

Und es gibt das Bestätigungsschreiben für den Direktor meiner Schule in Berlin. Nun kann endlich auch die Beurlaubung für den Zeitraum bis Februar 2005 beantragt werden.

 

Ich schaute mir erst einmal die Bilder an, die auf der Vorder- und Rückseite der Host Family Application zu sehen sind:

 

zwei Streifenhörnchen (wie ich inzwischen weiß, die niedlichen kleinen Haustiere der Familie), das Haus, ein Zimmer, wahrscheinlich das Wohnzimmer und natürlich meine Gastfamilie selber.

 

Sie besteht aus den Eltern und zwei Schwestern in meinem Alter.

Die Familie ist buddhistisch und beschreibt sich selber als liberal, spontan und lässig. Sie legen nach ihren eigenen Angaben sehr viel Wert auf individuelle Interessen und hat nichts gegen Unordentlichkeit!!! Und ich werde mein eigenes Zimmer haben.

Sie wohnen in Nishitokyo (West-Tokyo), einer Stadt mit 181.000 Einwohnern, in einer Wohnung im japanischen Leichtbaustil mit viel Grün drum herum. Mein heimlicher Wunsch, in den Großraum Tokyo zu kommen, hat sich glücklicherweise erfüllt.

Na, jedenfalls scheinen sowohl die Familie als auch die Schule ein wahrer Glücksgriff zu sein, auch wenn die Familie kein Klavier hat. Aber ich darf hoffentlich in der Schule üben?

Am nächsten Tag überwand ich meine Ängstlichkeit und rief bei meiner Familie an. Ich sprach mit meiner älteren Gastschwester und ihrer/nun auch meiner Mutter auf Japanisch und Englisch. Zwischendurch sind mir ein paar deutsche Wörter rausgerutscht, die sie natürlich nicht verstehen konnten. Ich wollte sie eigentlich nach ihrer E-Mail Adresse fragen, aber als sie anfingen, sie zu buchstabieren, wurde es ein Desaster, weil ich es nicht im Geringsten verstand. Wir entschlossen uns, dass sie mir zuerst schreiben. Jedenfalls sind sie wirklich nett und vor allen Dingen freuen sie sich auf die deutsche Dana! Ich bedankte mich vielmals bei ihnen und bin jetzt ganz gespannt und voller Vorfreude.

Nachdem ich die Mail bekam, stellte ich erleichtert fest, dass die Adresse einen Bindestrich enthält - das erklärt mir jetzt mein Verständigungsproblem.

Übrigens gibt es zwar kein Klavier, aber ein Keyboard im Hause meiner Gastfamilie. Also bin ich gespannt auf den verfügbaren Oktavbereich und kann vielleicht doch auch dort spielen?

02.02.04

Die Rechnung kam propmt: 6.500 Euro zu zahlen für Schülerjahresaustausch Japan (Artikelbezeicnung auf dem Formular) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt. Also greifen jetzt meine Eltern ganz tief in ihre "Geldsammlung".

06. bis 08.02.04

So langsam nimmt die Vorfreude und gleichzeitig auch die Nervosität und Aufregung zu. Spätestens beim letzten, asienspezifischen Vorbereitungswochenende, das in Waltershausen bei Gotha in einem Schullandheim stattfand, wurde allen klar, dass es nicht mehr lange dauert, bis wir in eine völlig andersartige Kultur eintauchen würden.

 

Dieses Wochenende war im Vergleich zu den vorangegangen AFS-Treffen auch nicht so stressig. Zuerst kramten wir unsere Gastfamilienpapiere aus der Tasche, um uns zu orientieren, wer wohin kommt und wie die anderen Familien so sind. Die Thailand-Hopees hatten noch keine Familien und die Japan-Hopees wissen leider auch noch nicht alle, wohin es sie verschlagen wird. Kanji-Kärtchen, Reiseführer, Fotoalben etc. - fast jeder hatte etwas mitgebracht - landeten zur Ansicht auf einem Wühltisch.

 

Unsere Betreuer waren 7 Returnies aus beiden Ländern. Wir konnten unsere Fragen an ein Fragebrett kleben und diese wurden im Laufe der drei Tage dann beantwortet. Taschengeld,  Gastgeschenke - eben alles, was auch in den bekannten Schüleraustauschforen so besprochen wird.

 

Am Samstag wurden wir entsprechend unseren Zielländern in zwei Gruppen unterteilt und machten ein Rollenspiel, bei dem verschiedene Situationen inszeniert werden sollten. Dabei geriet uns natürlich vieles falsch und die Berichtigung folgte auf dem Fuße. So wissen wir jetzt zum Beispiel, dass, wenn der Direktor etwas zu verkünden hat, man sich in der Turnhalle versammelt und aufsteht, um seinen Gruß zu erwidern. Die Jungs sitzen im Schneidersitz in den vorderen Reihen, dahinter knien die Mädchen.

 

Dann diskutieren wir noch in zugeteilten Rollen über die Vor- und Nachteile der Verwestlichung Asiens. Um Frauenprobleme zu klären, standen uns die Betreuer in einer geschlechterspezifischen Gesprächsrunde zur Seite. 

 

Das Beste aber war, dass wir keinen Koch hatten und uns somit selber verpflegen konnten. Die AFS-Returnees ermöglichten es uns, an einem Tag thailändisches Essen zu kosten und zum Abschluss des Wochenendes gab es selbst gerolltes Sushi mit Gemüse. Mmmh oishikatta desu. Nebenbei hörten wir asiatische Musik, wie zum Beispiel japanischen HipHop, was ich als sehr lustig empfand, obwohl das sonst eher nicht so meine Musikrichtung ist!

 

Irgendwie aber habe ich an diesem Wochenende mehr über Thailand als Japan erfahren. Wirklich Neues aus Japan war für mich eigentlich nicht dabei.

25.02.04

 

 

So sieht es nun also aus,

das Certificate of Eligibility (COE),

auf das ich soooo lange gewartet habe.

Jetzt heißt es ab zur Botschaft. (Hiroshimastr. 6 *grins*)

und das Visum beantragen.

Inzwischen hat sich auch ein japanischer Austauschschüler, der 1999/2000 mit AFS in Deutschland war, bei mir per email gemeldet. Ich hab so ein Glück, denn er ist Betreuer in "meinem" AFS-Komitee Tokyo Tama.

Supernette Zeilen und gleich auch eine prompte Antwort auf erste besorgte Fragen meinerseits. Dank hier an Kuma (Daisuke Tatai) und hier seine japanische Homepage .

 

03.03.04

Heute ist hinamatsuri, das japanische Puppenfest. In der Zeitung war zu lesen, dass in der jap. Botschaft die zugehörige Puppentreppe zu bestaunen sei. Also Fotoapparat geschnappt und auf zur Konsularabteilung - ich muss doch noch mein Visum organisieren. Reisepass, Passbild, COE nicht vergessen! Tja, die Sache mit dem Bilder machen hatte sich dann schon beim Sicherheitcheck am Eingang erledigt. Fotografieren im Botschaftsgelände verboten! Das Ausfüllen des Antragsformulars in Englisch war eigentlich recht einfach, aber ich hatte weder die Adresse von AFS Japan noch die meiner Gastfamilie eingesteckt ... Glücklicherweise gestattete mir das freundliche Personal, die Infos beim Abholen nachzutragen. Zwei Tage später sollte das Visum schon fertig sein.

Die Puppen waren übrigens wirklich sehenswert.

 

08.03.04

Ohne Probleme bekam ich das Visum. Es ist bis zum 4. März 2005 gültig und klebt im Reisepass. Die fehlenden Angaben zu AFS Japan habe ich ergänzen können. Also alles in Ordnung.  

11.03.04

Meine Flugtickets sind da. Ich kann am 24. März um 7.20 Uhr in Tegel ein- und mein Gepäck gleich bis Tokyo durchchecken. Das erspart mir die Schlepperei in Frankfurt, wo sich alle AFSler aus Deutschland sammeln werden. Zu meiner großen Überraschung ist der Rückflug auch gleich ok gebucht. Das Reisebüro hat mit AFS abgestimmt, dass wir auf dem Weg nach Hause nicht wieder über Frankfurt einreisen müssen, sondern von London direkt nach Berlin fliegen können. Toll!!! Das war ursprünglich nämlich anders geplant. Wenn also alles so bleibt, bin ich am 6. Februar 2005 um 22.50 Uhr wieder in Berlin.

 

 

 

Meine (vorerst) letzten Tage in doitsu

 

Am Donnerstag, dem 19.03.04, hieß es Abschied von meiner Klasse zu nehmen. *schnief*. Meine Mutti kam auf die tolle Idee für die letzte Unterrichtsstunde Sushi zu kaufen und in die Schule zu bringen. Meine Mitschüler, die im Übrigen alle Japanisch lernen, waren sichtlich überrascht und nicht einmal Eric, mit dem ich das Sushi vorher in der Bar antestete, hatte einen Verdacht geschöpft. Ich bekam ein Heft mit vielen Bildern und Sprüchen meiner Freunde (hier gleich ein ganz dickes Dankeschön an Steffi und Alrun für die Ausführung und Sabrina für die Idee) geschenkt und werde es als Tagebuch benutzen. (Fotos im Fotoalbum!!!)

 

Am Montag fiel ich mit ein paar Leuten, die mir besonders am Herzen liegen, in ein Eiscafé ein und Eric, der ehemalige Japanfahrer meiner Klasse, konnte noch so einiges Interessantes und Lustiges aus dem Land der aufgehenden Sonne berichten. Hey Uli, die kleine Ente hängt jetzt an meiner Federtasche neben Bernd, dem Brot und wird mich begleiten.

 

Vorhin bin ich zu meiner vorerst letzten Chorprobe gegangen und wir haben zusammen noch ein Abschieds-Lied gesungen ^_^ . Vom Chor bekam ich einen Blumenstrauß und Pralinen und von meinen beiden lieben Chorleitern einen kleinen praktischen Rucksack mit einem Kuschel-Osterhasen (Kultur-Export, kawaii), einem Schutzengel und eine CD mit klassischer Musik, die man bis zum Abi kennen sollte :-) nebst zugehörigem Buch „ABC der Klassischen Musik“. (Auch an dieser Stelle noch mal ein fettes Dankeschön. Hab mich riesig gefreut und es passt alles noch in den Koffer! Und der Hase guckt zum Rucksack heraus!)

 

 

 

 

 

So konnte ich allen noch mal Tschüssi sagen und bin jetzt ganz traurig, dass die nächsten Konzerte und vor allen Dingen die Verabschiedung der 13. Klassen im Sommer ohne mich stattfinden. (;_;) .

 

Jetzt ist mein Koffer endlich fertig gepackt und ich bin sogar in der Gepäckbegrenzung von 20 kg geblieben!!! Noch besser, ich hatte noch ein Kilo übrig, das nun mit Schokolade aufgefüllt wird. Aber irgendwie kommt das Gefühl in mir hoch, etwas vergessen zu haben. Zum Glück komme ich nicht in ein kleines Dorf, wo man nur einen Krämerladen in 5 km Entfernung findet.

 

Ich beseitige nun noch schnell das Chaos in meinem Zimmer und dann schnell noch ´ne Runde schlafen!

 

Also macht’s gut und bleibt schön neugierig auf meine Berichte – dann im Tagebuch …

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